Holstein Kiel
1 - 1
SV Meppen
30. Mai 2008
Freitag, 19:00 Uhr
Oberliga Nord
(4. Liga)
3.347 Zuschauer
(800 Gäste)
Holstein-Stadion (13.500)
Westring 501
24118 Kiel
Schleswig-Holstein
Das wars... der SV Meppen ist in der nächsten Saison Fünftklassig! Welch bitterer Abend in Kiel und welch derbe Enttäuschung, nach dem die Hoffnungen zuletzt so groß waren. Zwei Punkte stand man vor Oldenburg, ein Sieg beim schon sicheren Meister Holstein Kiel hätte gereicht um den Rivalen in die 5. Liga zu schicken. Doch stattdessen wird man nun selbst gegen Heessel, Bad Rothenfelde und Rehden spielen. Die Rückrundenmeisterschaft ist nur ein schwacher Trost, denn die Hinrunde wurde mit einem schwachen 14. Platz völlig in den Sand gesetzt. Beim Blick auf die Abschlusstabelle steht der SVM nun auf Platz 8, während Oldenburg sich am Abend durch ein 6-0 gegen Schlusslicht Henstedt-Rhen den Relegationsplatz sicherte.

Seit Tagen war die Anspannung sehr groß. Der Tag der "Blutrache 30.05." (so titelten die Kieler Fans) rückte näher und man wurde Zeuge welche Begeisterung plötzlich im Emsland herrschte. Standen vor einem Monat noch abgezählte 24 blau-weiße Fans im Lübecker Gästeblock, so wurde für das Spiel heute die Aktion 1.000+ ins Leben gerufen. Ganz so viele Gästefans wurden es letztlich nicht, doch immerhin nahmen knapp 800 Emsländer in einem der acht Busse oder im privaten PKW den mehr als 300 km weiten Weg an einem Freitag abend auf sich. Der Gästeblock im Holstein-Stadion füllte sich mehr und mehr und auch die Stimmung wurde immer besser, je näher der Anpfiff heranrückte. Da man kaum Fahnenstangen mit ins Stadion bekam und sogar Spruchbänder verboten waren, setzte man seine Energie voll und ganz auf den akustischen Support der Mannschaft. So konnten die Kieler im Gegensatz zu uns zu Spielbeginn eine Choreographie zeigen. "Kiel gewinnt" hieß es auf einem großen Tuch im Heimblock in Anlehnung auf das Spiel mit den gelben und roten Plastikmünzen. Zwar waren ihre Gesänge bei uns nur selten zu hören, da wir selbst mit dem Support beschäftigt waren, doch war die Stimmung von Heim- und Gästefans während des Spiels für ein Oberligaspiel doch schon sehr gut. Unser Support hatte es besonders während der ersten 45 Minuten in sich! Die Masse zog mit und die emsländischen Kehlen trugen ihre Mannschaft nach vorne. Es hat sich gelohnt. Der Jubel kannte keine Grenzen nach dem Führungstreffer der Meppener von Eray Bayraktar nach 30 Spielminuten. Zwar lag Oldenburg zu der Zeit schon mit 2-0 vorne, doch mit diesem Treffer hätten wir die Relegationsrunde erreicht und Oldenburg wäre abgestiegen. Mit der Führung ging es in die Pause und man malte sich schon aus wie man vor 10.000 Zuschauern in der Relegation spielen würde falls, ja falls es denn bei drei Punkten bleiben würde. Doch das Spiel war noch längst nicht Zuende. 52. Spielminute; Freistoß für Kiel. Michael Holt, welcher im Sommer von der Ems an die Förde wechselte und schon seit seiner Kindheit ein eingefleischter Meppen-Fan ist, trat an... und schoss den Ball durch die schlecht gestellte Mauer hindurch ins Tor. Es war der Ausgleich und zugleich der Todesstoß für den SVM tief herab in die Oberliga Niedersachsen West. Ausgerechnet Holt! Er selbst zeigte keine Freude, schämte sich eher für sein Tor zu dem er dann später sagte "Habt ihr jemals einen schlechteren Freistoß gesehen?". Nicht er hat uns in die 5. Liga geschossen, es war die furchtbar schlechte Hinrunde. Oldenburg zog Dank der besseren Tordifferenz an uns vorbei und unser Traum war entgültig geplatzt. Dem Schlusspfiff folgte Fassungslosigkeit, Trauer und Tränen. Abstieg! Dorfplätze statt Essen, Münster oder Magdeburg. Doch bis zum letzten Spieltag kämpften wir um die Regionalliga, wer hätte das vor einem halben Jahr überhaupt noch für möglich gehalten?

Aber da war doch noch was... richtig, die Sache mit der Blutrache. Nach dem Hinspiel im März ging die Ultras Kiel-Fahne in den Besitz von Meppen sowie diverse Fahnen aus Meppen in den Besitz von Kiel über. Aufgrund von zwei Hundertschaften im und um das Stadion herum kam es vor und nach dem Spiel zu keinerlei Kontakt zwischen den beiden Fangruppen. Dann in der zweiten Spielhälfte präsentierte Kiel einen Teil unserer Fahnen in Form der Buchstaben "Ihr Lappen" vor einem großen "Oncle Sam" sowie kurz darauf sieben Doppelhalter mit den Buchstaben "Supside", ebenfalls aus Meppener Fahnen. Die Emotionen kochten hoch, so dass auch wir den Kielern ein letztes mal ihre Fahne zeigten. In mehrere Teile zerrissen gab es nun immer wieder Feuer am Zaun. Die Fahne brannte lichterloh! Auch ein kleiner Teil Bengalen und Rauch kamen nun noch zum Einsatz, was die Staatsmacht veranlasste den Block zu entern. Sie machten eine kleine Schneise in den Block und trennten ihn somit für einige Minuten in zwei Teile. Perfekter ging es nicht, denn nun wurde ein recht energischer Wechselgesang angestimmt. Doch so nett blieben sie nicht... Ein großer Teil der Fans blieb noch lange Zeit im Gästeblock um den Abstieg erstmal zu verarbeiten ehe es nun eine Blocksperre gab und auch der untere Teil des Blocks nach und nach geräumt werden sollte. Deeskalation sieht anders aus, denn die übrig gebliebenen Meppener wurden nun in Richtung Stufen zusammengedrängt und zu allem übel kam es zu einem massiven Einsatz von Pfefferspray, Polizeihunden und Schlagstöcken. Sicherlich sind nicht alle Meppener Unschuldslämmer, doch solch ein überzogenes Verhalten war alles andere als angebracht und machte die Sache auch nicht mehr besser. Unfassbar! Ein Teil der Busse war inzwischen schon abgefahren, so dass man sich auf die übrig geliebenen Busse aufteilte. In der Nacht war man wieder zurück im Emsland. Immer noch niedergeschlagen, traurig, verzweifelt und einfach nur leer. Es hätte so schön sein können....





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