|
Die
209 km von Bukarest nach Craiova wurden in drei Stunden zurück
gelegt. Im Zug versuchten immer mal wieder Zigeuner etwas von ihrer
Ware unbekannter Herkunft zu verkaufen. Dabei wird eine Auswahl von
kleineren Spielen, Accossoires oder anderem Gedöns vor einem auf
den Sitz oder die Ablage gelegt und bei Nichtinteresse nach einigen
Minuten wieder eingesammelt. Nee Danke, da lasse ich meine Brieftasche
lieber eingesteckt! In Craiova machten wir zunächst einmal
Bekanntschaft mit der Köter-Szene Craiova, kurz KSC! Aber das ist
in diesem Land ja ein völlig normales Bild, überall streunern
Gruppen von Hunden herum, welche allerdings in den meisten Fällen
ziemlich harmlose Häufchen Elend sind. Per Taxi steuerten wir
zunächst das Stadion des heutigen Gastgebers an und schafften es
die Sicherheitskräfte zu überreden den Innenraum eben schnell
für einige Fotos betreten zu dürfen. Nach erfolgreicher
Ticketbeschaffung (Haupttribüne für 20 Lei)
überbrückten wir die Zeit bis zum Anstoß mit einem
Abstecher zum Fan-Shop sowie zum alten Stadionul
Tineretulei. Da immer noch genügend Zeit blieb, sollten nun
1-2 Bier her! Das sollte sich in Stadionnähe als gar nicht mal so
leicht erweisen! Die Tankstelle am Stadion verkaufte kein Alkohol mehr,
wohl eine Sicherheitsauflage vor den Heimspielen von Universitatea. Nun
musste ein kleiner Kiosk dran glauben, welcher allerdings auch kein
Alkohol mehr verkaufen durfte. Leisner schaffte es die Angestellte
total zu entnerven und ihm doch sein Bier zu verkaufen, was aber auch
wohl nur aufgrund der Sprachbarriere gelang. Da wusste die arme
allerdings noch nicht dass zwei weitere Deutsche hinter ihm standen und
das gleiche wollten. Völlig verzweifelt verkaufte sie auch uns die
Getränke, schmiss dabei das Wechselgeld nur so über die
Theke. Auch die Craiova-Supporter hinter uns bekamen dies mit und
wollten natürlich ebenfalls Bier kaufen, was nun aber scheinbar
entgültig nicht mehr gelang. Der richtige Moment die Beine in die
Hand zu nehmen war also gekommen, nix wie weg hier! Vor einem
Hauseingang in einer Nebenstraße machten wir es uns nun bequem
und genossen das verbotene Getränk. Assisuff allez! Das Spiel
nahte und wir machten uns wieder auf dem Weg zum Stadion, einer
weitläufigen Schüssel aus dem Jahr 1960 mit knapp 28.000
Sitzschalen. Gastgeber Universitatea konnte bereits vier mal den
Meisterschaftstitel und
sechs mal den Landespokal für sich verbuchen. Doch das Spiel gegen
Bistrita war keinesfalls ein Hingucker. Eine müder Kick ohne
größere Höhepunkte, geschweige denn Toren, welche in
diesen Breitengeraden allerdings eh ein seltenes Gut sind. Von beiden
Fangruppen gab es etwas Sing-Sang, ohne jedoch dabei zu
überzeugen. Sowohl die Gäste hinter dem linken, als auch die
Heimfans hinter dem rechten Tor präsentierten etwas Rauch, das
blieb aber auch fast schon das einzige optische Highlight. So war man
doch irgendwie froh als sich das Spiel bei dem nasskalten Wetter dem
Ende nahte. Es galt nun wieder einmal einige Stunden zu
überbrücken, sollte unser Zug in Richtung Brasov doch erst um
01:47 Uhr abfahren. Per Taxi steuerten wir ein vorab empfohlenes Pub
an, was sich allerdings als nicht allzu lohnenswert herausstellte und
nach drohender Erstickungsgefahr der Rauchschwarden (man ist halt nix
mehr gewöhnt) bald wieder verlassen wurde. Wir schlenderten durch
die Straßen und stießen auf die noble Pizzeria El Greco.
Geil, ich habe mich immer noch nicht entschieden ob es die beste oder
zweitbeste Pizza meines Lebens war, auf jeden Fall ein sehr leckeres
(und großes)
Ding für gerade mal 4,50 €
inklusive Getränk. So lässt es sich aushalten! Für
Belustigung sorgte noch Jens, als er bei der Zahlung auch einige
Bani-Münzen (100 Bani = 1 Lei) in die Mappe legte, in der man
für gewöhnlich die Rechnung mit dem Geld wechselt. So war der
Kellner doch etwas Sauer als er dies sah und schmiss die Taler
über den Tisch. Da hatte er sich von den reichen Deutschen wohl
etwas mehr erwartet. Wir investierten nun lieber in ein Taxi. Auf zum
Gara!
|