ФК Славија Источно Сарајево
(FK Slavija Istočno Sarajevo - Juniori)
0 - 2
ФК Леотар Требиње
(FK Leotar Trebinje - Juniori)
28. März 2010
Sonntag, 13:00 Uhr
Omladinska Premijer liga Jug Juniori
(1. Liga B-Junioren Bosnien-Herzegowina)
50 Zuschauer
(0 Gäste)
Gradski SRC stadion Slavija (6.000)
Jovana Raškovića 16
71123 Istočno Sarajevo-Lukavica
Bosnien-Herzegowina (Republik Srpska)
Am Sonntagmorgen besuchte mich Jasmina. Sie hatte Frühstück mitgebracht, bestehend aus einem Berliner und einem Burak. Ich konnte mich gar nicht oft genug für die Gastfreundschaft bedanken, doch sie erwiderte immer wieder dass sie es doch wäre die so dankbar sei, denn schließlich sei ich doch ihr Gast! Für heute hatte ich noch immer kein Spiel gefunden. Selbst die Terminierung der ersten Liga, also auch das gestrige Spiel bei Željezničar, wurde erst in dieser Woche Mittwoch bekannt gegeben. Die Tatsache dass das Spiel so spät und somit auf jeden Fall eine weitere Übernachtung in Sarajevo notwendig war, ließ mir aufgrund der nicht zufriedenstellenden Busverbindung heute keine großen Freiräume für irgendwelche Erstligaspiele. Mein Plan sah vor mir früh am Morgen eine Zeitung zu kaufen, dort eine Ansetzung zu entnehmen um dann ein Zweit- oder Drittligaspiel in BiH zu besuchen. Gesagt getan, ich kaufte mir die Zeitung, aber da war nichts. Absolut keine Info zu irgendeinem Spiel am heutigen Tag! Die Zweitligaspiele waren allesamt gestern und bei der dritten Liga und tiefer war auch unklar ob die Spiele nun schon gestern waren oder heute stattfinden würden.

Aber laut der Ausgabe von Freitag sollte es irgendwann heute zu einem Jugendspiel bei Slavija im serbischen Teil der Stadt, genau genommen in der zur Republik Srpska gehörenden eigenständigen Stadt Istočno Sarajevo (Ost-Sarajevo) kommen. Aus der Abenteuerlust heraus nahm ich mir vor, die gut 5-6 km dorthin zu Fuß zurückzulegen. So schwer könne das doch nicht sein, dachte ich mir. Ich durchquerte Grbavica und kämpfte mich einen kleinen besiedelten Berg hinauf, welcher es aber mit gut 40% Steigung durchaus in sich hatte. Von dort oben gab es eine herrliche Sicht auf die anderen bis zu 2.000 Meter hohen Berge. Aber schon bald musste ich feststellen dass ich den falschen Weg gewählt hatte. Der auserkorene Weg, welcher mich schnurstracks nach Lukavica führen sollte, entpuppte sich hinter dem besiedelten Gebiet als unbefestigter kleiner Waldweg. Minengefahr! Ich entschloss mich wieder zurückzukehrend und musste schweren Herzens einsehen, dass mein Plan gescheitert war. Nun griff Plan B, welcher doch immer noch der einfachste war. Taxi! Nach dem meine Brieftasche um 8 Mark erleichtert wurde, stand ich nun vor dem Stadion deren Teams, welches ich gestern Abend noch Auswärts habe spielen sehen. Eine halbüberdachte Haupttribüne, zwei steile Stehplatzränge auf den Hintertorseiten und ein paar Stufen auf der Gegengerade. Alles in Einem sehr schick, doch am besten gefiel das herrliche Panorama auf die Berge! Es war mittlerweile 12 Uhr und ich fragte jemanden am Stadion ob hier denn heute wohl ein Spiel stattfinden würde. Ja sollte es, um 13 Uhr käme es zu einem Juniorenspiel. Jawohl! Es entwickelte sich ein nettes Spiel. Ich genoss die Sonne, blickte hin- und wieder rauf auf die Berge und ließ es mir mit meinem mitgebrachten Burak von heute früh gut gehen.

Ob es an diesem Tag noch ein zweites Spiel geben sollte, das war noch nicht klar. Aber in der Zeitung war zu lesen, dass es vielleicht gestern, vielleicht aber auch heute ein Spiel im nahegelegenen Hipodrom Butmir geben würde. Sofort nach Spielende suchte ich mir in den staubigen Straßen des komplett mit kyrillischen Schildern und serbischer Fahne ausgestatteten Örtchens Lukavica ein Taxi und beorderte es zu den Fußballplätzen im Hipodrom Butmir. Aber ich hatte einen Zonk gezogen. Weder ein erwähnenswerter Ausbau, noch ein Spiel fand ich vor! Alternativen gab es auch nicht mehr. Die Stadt Meppen hat wahrscheinlich drei Mal mehr Sportplätze als ganz Sarajevo, die Auswahl daher mehr als begrenzt. Ich stieg gar nicht erst aus dem Taxi aus und ließ mich zurück ins Zentrum bringen. Der Taxifahrer sprach nur bosnisch, aber er freute sich als er bemerkte woher ich kam: „Ahhh, Deutschland!“. Immer wieder versuchte er nebenbei das Handschuhfach zusammen zu flicken, er hatte die Klappe mit Klebestreifen fixiert. Ich glaube er versuchte mir klar zu machen dass dort allerhand Alkohol drin sei, welches rausfallen würde wenn die Klappe aufgeht. Vielleicht hätte ich nun noch das Erstligaspiel von Olimpia Sarajevo besuchen sollen, doch ich hätte es bis zum Anstoß wahrscheinlich nicht geschafft, und es wäre nur eine Groundbestätigung gewesen. Erst heute früh laß ich in der Tageszeitung „Dnevni avaz“ dass der Verein aufgrund des Umbaus des Stadion Otoka (von dem ich mir allerdings selbst überzeugen konnte dass mit dem Umbau noch gar nicht begonnen wurde, aber als Erstligatauglich ist der Ground auch nicht einzustufen) nicht wie überall verbreitet ins Stadion Grbavica ausweicht, sondern ins große Stadion in Koševo. Hätte ich das doch bloß gestern schon gewusst, ich hätte auf das Damenspiel verzichtet, mir stattdessen ein Zweitligaspiel angesehen, und hätte das Stadion dafür dann heute besucht. So aber blieb es bei der bitteren Tatsache dass es heute leider nur zu einem B-Junioren-Spiel reichte. Zufrieden konnte ich damit bestimmt nicht sein, aber gerade in Ländern wie Bosnien-Herzegowina lässt sich nun mal längst nicht alles planen.

Ich vertrieb mir den restlichen Tag, genoss die Sonne, und schaute dem Treiben auf den Straßen zu. Früh ging ich zurück ins Hostel, wo im Fernsehen einige Fußballspiele liefen. Den Sonntagabend verbrachte ich dort alleine. Am Montag sollte ich dann ein letztes Mal in Sarajevo aufwachen. Um 11 Uhr wollte Jasmina da sein, aber ich ging vorher noch kurz ins Zentrum. Frühstücken, die Bordkarte für den morgigen Flug im Internet ausdrucken und noch ein kleines Präsent kaufen, das war mein Vorhaben. Ich kaufte Blumen, ließ sie nett einpacken und überreichte sie Jasmina, als sie dann ins Hostel kam um mich zu verabschieden. Ich war es ihr einfach schuldig, so gastfreundlich und liebenswürdig war sie während der letzten vier Tage. Sie freute sich sehr darüber, bedankte sich inständig und griff sofort zum Telefon um es freudestrahlend ihrem Mann zu erzählen. Nun entschuldigte sie sich kurz und verschwand zur Tür hinaus, denn ihr Mann in der benachbarten Wohnung wollte die Blumen sehen. Auch von ihr erhielt ich eine Kleinigkeit zur Verabschiedung. Ein kleines Fläschen Hochprozentigen und eine Tafel Schokolade, beides natürlich typisch bosnisch! Mit dem Versprechen mich zu melden verabschiedete ich mich. Schnell doch tauschte ich meine letzten 20 Mark bei der Post am Bahnhof zurück in Euro. Ich erhielt einen roten Papierfetzen mit einer 10 darauf, welcher so aussah als hätte er bereits fünf Schleudergänge einer Waschmaschine hinter sich gehabt. Am nächsten Tag sollte sich noch sehr ein McDonalds Mitarbeiter nähe des Flughafens in Holzwickede darüber wundern! Um 12:30 Uhr verließ der Reisebus den Autobusni Kolodovar Sarajevo Richtung Kroatien. Eine Reservierung hierfür musste ich mir trotz eines Retour-Tickets am Vortag holen. Wieder erlebte ich eine Reise durch die herrlichen Berglandschaften Bosniens. Der Bus war nur spärlich besetzt. Zwei Mal sprach mich ein Mitreisender mittleren Alters an, welcher mir am nächsten saß. Ich zuckte mit den Schultern und versuchte ihm in Englisch verständlich zu machen dass ich seine Sprache nicht sprechen würde. Aber er verstand weder Englisch, noch Deutsch. Er versuchte sich mit Hand und Fuß und kroatischen Wörtern verständlich zu machen und irgendwann haben wir uns dann verstanden. Ich gab ihm zu verstehen dass ich Fußballspiele in Zagreb und Sarajevo besucht habe und er machte mir klar dass er ein in Zagreb lebender Hajduk-Fan sei. Er präsentierte mir stolz ein Bild des brennenden Gästeblocks von letzter Woche. Nun zückte auch ich meine Kamera und zeigte ihm dort meine eigenen Bilder vom Bengalenmeer der Torcida Split. Das fand er natürlich Weltklasse und hielt seine Hand zum einschlagen bereit. Wir gestikulierten viel über Fußball und ich gab ihm meine Enttäuschung über die WM 1998 zu verstehen, als Deutschland den Kroaten im Viertelfinale mit 0-3 unterlag. Njemačka, Hrvatska, World Cup und Suker sagte ich, und schlug dabei die Hände vors Gesicht. Natürlich verstand er, und er lachte und war wiederum stolz! Während einer Fahrtpause lud er mich dann zu einem Bier ein und ich sagte artig Hvala! Nun bekam eine Frau am Tisch nebenan mit dass ich aus Deutschland kam und fragte mich auf gutem Deutsch woher ich käme und was ich hier so machen würde. Ich ließ sie erstmal einige Sachen gegenüber dem Hajduk-Fan (dessen Name ich leider nicht mehr wiedergeben kann) übersetzen und unterhielt mich auf der Fahrt dann noch etwas mit ihr. Nach Ausbruch des Krieges 1992 sei sie von Bosnien nach Deutschland geflohen, mittlerweile aber in Zagreb leben. Sie war für drei Jahre in Mannheim und hatte dort schwarz gearbeitet. Wenn Kroatien in die EU kommen würde, würde sie sofort wieder rüber nach Deutschland gehen! Hmmm! Am Busbahnhof in Zagreb verabschiedete ich mich von meinen beiden Mitreisenden. Und wieder bekam jemand mit wie ich bei dieser Verabschiedung deutsch sprach. Es war ein deutsch sprechender Kosovo-Albaner, welcher hier zu Besuch in Zagreb war. Wir unterhielten uns während wir gemeinsam mit der Tram fuhren und wir tauschten Kontaktdaten aus. Ich wäre herzlich eingeladen bei ihm und seiner Familie unterzukommen wenn ich Mal im Kosovo sei. Durchaus möglich, denn der Länderpunkt Kosovo fehlt mir noch! Bald war ich wieder im Hostel Hobo Bear, wo ich ja bereits vergangene Woche zwei Nächte verbracht hatte. Ich hatte ein 4-Bett-Dorm gebucht und bekam ein Zimmer für mich alleine! Unter ungarischer Flagge von Wizzair hob am nächsten Morgen der Flieger Richtung Dortmund ab. Nun noch eine kleine Bahn- und eine kleine Busfahrt und mein Zuhause hatte mich wieder.

Es war eine beeindruckende Reise von der ich viele Eindrücke und Erinnerungen mitgebracht habe. Auch wenn die Spielausbeute letztlich eher mager ausfiel, ich hatte viel von Land und Leuten gesehen und allerhand Gastfreundschaft erfahren. Vielleicht werde ich ja irgendwann noch einmal hierher kommen. Es hat Spaß gemacht, alleine nach Sarajevo.
 



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