8.
November 2010
Montag, 20:30 Uhr OEZ
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Liga I
(1. Liga Rumänien)
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10.500
Zuschauer
(0 Gäste)
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Stadionul Giuleşti
"Valentin Stănescu" (19.100)
Calea Giuleşti 18
012369 București-Giuleşti
Rumänien
(Judet Bucureşti)
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Das
Stadtderby zwischen Rapid und Steaua stellte ohne Frage den
Höhepunkt dieses verlängerten Wochenendes dar. Wieder einmal
wurden Erinnerungen wachgerufen an das UEFA-Cup-Viertelfinale 2006,
als sich die beiden Teams vor 50.000 Zuschauern im Nationalstadion
gegenüberstanden. Das heutige Spiel kam längst nicht an den
sportlichen Wert von damals heran, denn es traf der Tabellendritte auf
den Tabellensiebten. Allerdings macht selbst die Tatsache dass sich
beide Kontrahenten in nur drei Tagen im rumänischen
Pokalwettbewerb erneut gegenüberstehen das heutige Spiel
keinesfalls uninteressanter. Die Zeit bis zum großen Derbyabend
überbrückten Michael und ich unter anderem mit dem Besuch des
Triumphbogens
und
der beiden angrenzenden Rugbystadien "Arcul
de Triumf" und "Tineretului",
in denen wir uns wieder einmal einen Einlauf abholen konnten da wir ein
leeres Stadion ohne vorher zu fragen fotografierten. Wir lernen es wohl
nie! Zudem wurde ein viertes Mal das Dinamo-Stadion besucht, ehe es uns
in ein italienisches Restaurant zum Pizza essen zog.
Die Metro brachte uns zweieinhalb Stunden vor dem Spiel nach
Crângaşi, der nächstgelegenen Metrostation zum
Giuleşti-Stadion. In Stadionnähe hatte Michael sich mit Kasimir
verabredet. Die beiden lernten sich am Freitag zufällig kennen,
als Michael schon einmal Karten am Stadion ordern wollte. Kasimir hatte
mal für ein Jahr in Hamm gelebt und spricht durch sein
Germanistik-Studium nahezu perfekt deutsch. Rapid ist seine große
Liebe! Er ist Anführer von einer der knapp 15 "Firmen", welche es
in den Fankreisen des Eisenbahnervereins gibt, und wird aufgrund seiner
Verbundenheit zu Deutschland von anderen auch gerne mal der Deutsche
genannt. Nachdem wir auch Sjoerd wiedertrafen, führte uns Kasimir
zu seinen Leuten. Es waren knapp 20 Ultras, doch sie selbst bezeichnen
sich nicht so, sondern sie bestehen darauf dass sie eine "Firma" sind.
Wir wurden einigen Leuten, wie zum Beispiel einem der Vorsänger,
vorgestellt und es wurden ein paar Dosenbiere getrunken. Wirklich
klasse wie wir hier aufgenommen wurden! Leider gab es auch eine
schlechte Nachricht. Es sollten heute nämlich keine Gästefans
kommen! Mist! Den Steaua-Fans wurden nur 400 Karten zugeteilt. Das
waren wohl zu wenig, so dass sich Steaua dazu entschied überhaupt
gar nicht zu kommen. Für Kasimir hatte das Fernbleiben nur einen
Grund: Angst vor Rapid! Im Pokalspiel drei Tage später erschienen
die Steaua-Fans allerdings wieder zahlreich und mit Pauken und
Trompeten. Die Einladung vielleicht doch mit in die Peluza zu kommen
mussten wir dankend ablehnen, wir hatten ja sowieso schon Karten
für die Gegengerade (25 Lei - 5,90 €). So verabschiedeten wir uns
fürs erste und suchten unseren Eingang. Die Tore waren wohl noch
verschlossen und so wartete eine riesige Menschentraube vor dem Stadion
auf den Einlass. Es dauerte nicht lange bis wir nun mitten im Pulk
waren, welcher allerdings immer mehr drückte und quetschte. Zwar
hatte jede Eintrittskarte einen festen Sitzplatz aufgedruckt, doch
dieser Aufdruck macht höchstens in der Theorie Sinn, wird aber in
der Praxis nicht umgesetzt. Wer zuerst kommt kriegt die besten
Plätze! Und genau deswegen drückte es nun immer mehr, so dass
sogar Kinder gegen Zäune gedrückt wurden. Man mag sich gar
nicht vorstellen wie es da erst beim Eingang der Peluza aussehen
würde. Zu allem Übel wurden auch noch moderne Drehkreuze
eingesetzt, welche zum noch größeren Übel meinerseits
mein Ticket einfach nicht lesen wollten und ich mich somit
zunächst wieder zurückkämpfen musste um es an einem
anderen Drehkreuz zu probieren. Dann klappte es aber und ich hatte
endlich wieder Luft zum atmen. Ein paar Meter weiter klaffte
übrigens ein ungesichertes Loch im Boden. Kaum auszudenken wenn
dieses Loch noch vor dem Drehkreuz gewesen wäre. Das nächste
Problem wartete nun am Aufgang zur Tribüne. Dort wurden die
Zuschauer ein zweites Mal abgetastet. Blöderweise wäre ich
zwar reingekommen, doch meine Kamera hätte draußen bleiben
müssen. Dass ich das auf gar keinen Fall akzeptieren würde,
stand sofort fest. Also versuchte ich es erneut bei einem anderen
Ordner. Aber auch dieser bemerkte meine Kamera und hatte etwas gegen
sie auszusetzen. Sjoerd war zu der Zeit bereits zwei Mal reingekommen
und wurde zu keinerzeit kontrolliert. Er sah von weitem meine
Ratlosigkeit, fasste sich ein Herz, kam wieder zurück und nahm
meine Kamera in einer stillen Ecke an sich. Wieder wurde er nicht
kontrolliert, so schmuggelte er dann also meine Kamera hinein. Dank u
well, Sjoerd! So konnte ich dann auch erstmal ein paar Bilder vom
Stadion machen, welches seit 2001 im Zusatz den Namen des ersten
Rapid-Meistertrainers Valentin Stănescu trägt. Die 19.100 roten
und weißen Sitzschalen des 1939 eröffneten und zuletzt 1996
erweiterten Stadions kommen komplett ohne zweiten Rang aus. Die
Gästekurve blieb wie angekündigt leider komplett leer, doch
was die Heimfans trotz des sehr lahmen Kicks und der fehlenden
Gästefans auf den Rängen veranstalteten war aller Ehren wert.
Zu Spielbeginn wurde eine große Blockfahne präsentiert, in
der ein Adler zu sehen ist wie er sich gerade auf ein Schaf
stürzt. Der Adler, klar, das ist Rapid. Aber das Schaf? Auch das
hat eine Erklärung. Steaua-Eigentümer Gigi Becali, einer der
reichten Rumänen überhaupt welcher unlängst sogar
Präsident werden wollte, wuchs in bescheidenen Verhältnissen
auf. Becali stammt aus einer Schafzüchter-Familie! Neben der
Blockfahne und dem Fahnenmeer flackerten nun zahlreiche Bengalen auf,
so dass sich bald die komplette Peluza in rotes Licht hüllte. Ein
sehr geiler Anblick, besonders mit den Leuten oben auf dem Zaun!
Einfach überall hinter dem Tor loderte es, teilweise auch auf
unserer Tribüne. Auch später gab es immer mal wieder
vereinzelte Bengalos zu sehen. Dabei wurden vor dem Spiel wohl 100
Bengalos von der Poliţie aus dem Verkehr gezogen. Gesanglich wurde man
90 Minuten lang bedient! Ein lautstarker und melodischer Support,
welcher gefallen konnte. Das volle Potenzial wurde allerdings noch
längst nicht abgerufen. So hofften wir dann auch vergebens dass
das Heimteam den Gästen um Trainer Marius Lăcătuș wenigstens ein
Tor einschenken würde. Das i-Tüpfelchen fehlte also.
Nachdem das Spiel sein Ende genommen hat, harrten wir drei noch etwas
vor dem Stadion aus, denn wir hatten uns erneut mit Kasimir verabredet.
Als wir ihn dann trafen, hatte er zahlreiche Probleme seiner Kollegen
mit der Polizei zu beklagen. Er führte uns wieder zu seinen
Leuten, nahe eines Kiosks im Stadionumfeld. Der Kioskverkäufer
ermahnte uns unser Bier sofort unter der Jacke zu verstecken,
schließlich war hier rund um das Spiel kein Bierausschank
erlaubt. Mit immer mehr Leuten kamen wir ins Gespräch und es hat
einfach Spaß gemacht sich mit diesen Jungs auszutauschen.
Ein-zwei weitere sprachen noch deutsch, manch andere hatten selbst mit
englisch Probleme. So hatte Kasimir das eine oder andere Mal die
Aufgabe zu übersetzen. Ein absoluter Kult-Typ ist Jandie! Jandie
leitet sich von Jandarmaria ab und uns wurde versucht weiß zu
machen dass Jarmie ein Polizist sei! Konnten wir nicht so ganz glauben,
trotzdem wurde es sehr lustig in der Runde. Kasimir, Michael, Sjoerd
und ich wollten nach einiger Zeit aufbrechen um an anderer Stelle noch
etwas zu trinken. Wir verabschiedeten uns bei der Firma und stimmten
zum Abschluss in einen letzten Schlachtruf mit ein. "Muie Steaua! Muie
Steaua! Hey! Hey! - Muie Steaua! Muie
Steaua! Hey! Hey!" schmetterten wir alle
mit voller Inbrunst heraus auf die Straßen und die lautstark
schallenden Hochhäuser von Giuleşti. Auch wenn es nur ein
Schlachtruf war, ich für meinen Teil kann nur sagen: Es war ein
Wahnsinnsaugenblick! Momente an die man sich noch in Jahren erinnert,
mögen sie doch eigentlich noch so unbedeutend und kurz gewesen
sein. Ein weiterer deutschsprechender Rapidisti, dessen Namen ich
leider vergessen hatte, brachte uns zu einer Rockkneipe in der wir uns
dann noch eine Weile über dies und jenes unterhalten konnten. Zu
Fuß begleitete er uns Richtung unserer Unterkünfte und bot
uns dabei sogar an den Weg zu wählen. Lieber einen kleinen Umweg
oder doch der direkte Weg, wo allerdings auch schon mal ein Messer auf
einen warten kann. Hmmm, den Umweg bitte!
Nach der Einladung dass wir bei unserem nächsten Besuch in
Bukarest gerne bei ihm unterkommen könnten, gab es eine Einladung
doch mal nach Münster zu kommen um von dort aus ein interessantes
Spiel des SV Meppen zu besuchen zurück. Wer weiß, vielleicht
klappt es ja wirklich mal! Die folgende Nacht wurde kurz, denn um 5 Uhr
klingelte bereits wieder der Wecker. Michael sollte erst am Nachmittag
zurückfliegen, mein Flieger allerdings sollte bereits um 8 Uhr
abheben. Der Abflug verzögerte sich noch etwas. Nachdem der
Shuttle-Bus in dem ich saß den Flieger erreichte, dauerte es noch
eine Weile bis ein zweiter kleinerer Bus mit Passagieren kam und selbst
etwas später kamen noch einzelne verspätete Fluggäste
mit Crew-Bussen an. Verwunderlich ist es nicht, immerhin steht man
Ewigkeiten für die Sicherheitskontrolle an und das richtige Gate
ist im Terminal einfach nirgendwo angeschlagen. Dennoch erreichte ich
fast pünktlich Stuttgart und sechs
Stunden später auch Münster. Es war ein tolles
Wochenende in Rumänien! Vor vier Jahren hatte ich mich in dieses
Land verknallt, spätestens nun aber hatte ich mich vollends
verliebt! Ich kann gar nicht mal genau beschreiben warum, aber
wahrscheinlich weiß das nicht mal ein Joachim S. wenn er
über die Liebe zu seiner Angela M. erzählen soll. Es fiel mir
richtig schwer Abschied zu nehmen, ich wäre am liebsten noch
geblieben. Ich bin mir aber sicher dass noch viele Tage in diesem Land
dazukommen. România - ich bleib dir treu! Auch wenn ich mit
anderen Ländern flirte, du allein bleibst meine Numărul unu!
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