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Am
Abend stand ein Besuch beim 24-fachen Landesmeister, zweimaligen
Weltpokalsieger und bisher ungeschlagenen Tabellenführer FC Porto
auf dem Programm. Das Estádio do Dragão (Drachenstadion)
ist mit seinen 50.000 Sitzplätzen schon ein sehr imposantes
Bauwerk. Es ist zwar ein sehr modernes Stadion, doch keines von den
08/15-Arenen, wie es sie in unseren Breitengraden immer öfters
gibt. Von Oben sieht es aus wie ein Ufo, von Außerhalb lässt
sich problemlos auf die Ränge blicken und im Inneren hat man
scheinbar von überall eine gute Sicht aufs Spielfeld. Während
die mit einem geschwungenen Dach bedeckten Geraden über zwei
Ränge verfügen, müssen die Hintertorseiten mit nur einem
Rang auskommen. Beeindruckend und schick, für ein modernes
Stadion! Während der Europameisterschaft 2004 war das Stadion
Austragungsort von fünf Spielen, darunter auch das Vorrundenspiel
Deutschland vs. Niederlande und das Halbfinalspiel Griechenland vs.
Tschechien.
Das Spiel gegen den Aufsteiger und zugleich Abstiegskandiaten
Portimonense SC entpuppte sich leider als ein zäher Kick ohne
besondere Höhepunkte. Porto tat das nötigste, ging nach einer
halben Stunde in Front und setzte in der Nachspielzeit noch ein Tor
drauf. Für akkustische Akzente versuchten die Ultras der "Super
Dragões" hinter dem Tor zu sorgen. Sah gelegentlich schon ganz
imposant aus, doch so richtig wirken konnten sie in diesem Stadion
leider nicht, wozu aber sicherlich auch die fehlende Wand hinter dem
Block beitrug. Auf der gegenüberliegenden Seite war die weitaus
kleinere Gruppierung "Colectivo Ultras 95" zu finden, doch diese konnte
erst recht nicht überzeugen. Wirklich "respektabel" wirkten die
Gästefans aus der immerhin 550 km entfernten südportugiesischen Stadt Portimão, sie
bekamen lediglich eine ganz kleine Ecke im Stadion zugesprochen und
versuchten mit 15 Leuten immer mal wieder gegen den Rest des Stadions
anzusingen, was allerdings nicht so ganz zu klappen vermochte. Nach dem Spiel entschieden wir uns noch für einen
Besuch in der angrenzenden Mall, dessen Geschäfte an diesem
Sonntagabend noch bis 22-23 Uhr geöffnet haben sollten. Das
Stadion selbst war in nur 12 Minuten nach Schlusspfiff komplett
geleert, was aber auch daran lag dass schon viele vor dem Abpfiff die
Ränge verließen. Fotos vom leeren Stadion wurden uns nun
bereits verwehrt. Schade! In der Mall fanden wir eine nette Pizzeria
und mussten nicht zum ersten Mal an diesem Wochenende feststellen, dass
selbst junge Leute in Portugal gar kein oder nur recht schlechtes
englisch sprechen. Scheint wohl ein recht eigenwilliges Volk in Sachen
Sprachen zu sein! Immerhin bekamen wir unser Essen, auch wenn es nicht
genau das war was bestellt wurde, aber nun gut, es schmeckte
jedenfalls!
Als nächstes wollten wir ein wenig die Lokalitäten in der
Altstadt testen. Es war gar nicht so einfach hier überhaupt etwas
offenes zu finden, wo man sich für ein Bierchen reinsetzen konnte,
aber dann irgendwann fanden wir einen gemütlichen Laden. Wir
schauten aus dem Fenster und wer lief da, na klar die Uerdinger, welche
wir gestern in Guimarães trafen
und auch heute beim FC Porto kurz begrüßen konnten. Fix die
Jungs zu uns reingerufen saßen wir nun zu sechst in der Runde und
hatten uns das eine oder andere interessante zu erzählen. Dann so
gegen halb zwei zog es uns zurück zur Pension. Chris hatte keine
eigene Unterkunft gebucht, aber unser Plan sah es vor ihn mit aufs
Zimmer zu schmuggeln, immerhin gab es dort in unserem Raum sogar ein
viertes Bett! Rauf in den dritten Stock und rein ins Zimmer! Aber
denkste! Als ich unseren Zimmerschlüssel an der Rezeption holen
wollte und die anderen bereits zum Zimmer gingen stand die gute Dame
der Pension mit verschränkten Armen vor mir! "Três!
Três!" fauchte sie und zeigte dann die Treppe hinauf auf die
anderen "Quatro! Quatro!". Ja Jungs, unser Plan war ja ganz nett, aber
wir haben gar nicht an die Kamera im Eingangsflur gedacht. Arrrgh! Das
Problem war dass es offiziell keine Vierbettzimmer gab und erst nach
einigen Hand-und-Fuß-Diskussionen überhaupt ein Preis
für das offiziell gar nicht existierende vierte Bett im
Dreibettzimmer herausgerückt wurde. 20 € Extra! Da Chris nun aber
am nächsten Morgen sowieso sehr früh wieder raus wollte um
noch etwas von der Stadt zu sehen, lehnte er dankend ab. Nun musste er
in die regnerische Nacht entlassen werden. Wie am nächsten Tag am
Flughafen zu sehen und hören war, hatte er dieses Unterfangen ohne
bleibende Schäden erlitten zu haben überlebt. Am
Montagvormittag brachte uns die Metro wieder zum Flughafen, von wo es
nicht wieder zurück nach Weeze, sondern nach Bremen ging. Im 18.
RyanAir-Flug meines Lebens erlebte ich zum ersten Mal eine kleine
Verspätung, unseren gebuchten Zug in Bremen erreichten wir
allerdings und so neigte sich die wirklich angenehme Wochenendtour mit
dem 28. Länderpunkt im Gepäck auch schon wieder dem Ende.
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